Das Sudhaus heute
Meine kleine Germania Sammlung
Ich sammle schon seit Jahren alles, was mit der Germania Brauerei in Hersel und Wissen zu tun hat.
In vielen Haushalten schlummert noch das eine oder andere Glas, ein Aschenbecher oder sonstwas. Natürlich freue ich
mich immer, wenn jemand nochwas findet und es mir überlässt, damit es in meiner kleinen Sammlung ein neues Zuhause findet.
Nachfolgende einige Bilder meines "Germania Zimmers". Wer Interesse hat, kann es sich auch gerne mal anschauen, eine kurze
E-Mail genügt.
Weiter unten habe ich mich mal an einer Historie zur Germania Brauerei versucht, da im Internet und auch sonstwo nur bruchstückhaft
etwas dazu zu finden war.
Die Geschichte der Germania Brauerei Hersel / Wissen
(copyright: www.thomas-weismueller.de, 06. April 2006, Quellen: Stadtarchiv Bornheim, Sammlung Norbert Zerlett, Heimatforscher,
Zeitungsartikel von ca. 1936, Zeitung unbekannt)
Ich habe alle mir bekannten Quellen durchforstet und es entsprechend zusammengestellt.
Natürlich ohne Garantie auf Richtigkeit der Daten, daher bitte ich auch um rege Beteiligung der Leser,
wenn es um Ergänzungen und / oder Korrekturen geht. Diese Historie soll als ein sich in der Entwicklung befindendes Projekt
verstanden werden und soll immer weiter ergänzt werden. Wer diese Daten für eigene Projekte oder websites verwenden möchte,
dem gebe ich hiermit ausdrücklich die Erlaubnis, jedoch nur mit ausdrücklichem Hinweis auf meine Quellangaben und darauf,
daß es sich um meine Arbeit handelt.
Es gab bis etwa Mitte des vorigen Jahrhunderts fast in jedem zweiten Ort eine kleine Brauerei, die meist von einem größeren Bauer im Nebenbetrieb geführt wurde. Der Bierausschank erfolgte im eigenen Gastraum oder Lokal. Wer darüber hinaus noch einen, zwei oder gar mehrere Wirte als Abnehmer hatte, besaß für damalige Verhältnisse schon einen beachtlichen Brauereibetrieb. Als Würze diente noch bis Anfang des vorigen Jahrhunderts neben Hopfen das junge Grün vom Gagelstrauch, mundartlich "Grutkruck" genannt, Porst und vor allem die frischen Triebe der Ginstersträucher. Keiner der damaligen Bierbrauer hatte das Brauerhandwerk bei einem Meister erlernt oder gar in der Fremde seine Kenntnisse erworben. Vielmehr vermittelte der Vater dem Sohne die nötigen Fertigkeiten, wobei nach sorgfältig gehütetem Familienrezept von Würzmischung und Brauverfahren ein obergäriges Bier hergestellt wurde, das allerdings nicht sehr haltbar war.
Die Braustätte in Hersel
In Hersel bei Bonn bestand bis 1862 die kleine „Brauerei B. Köhler“, in der noch nach alter Art obergäriges Bier gebraut wurde, das im Dorf selbst und in der Umgebung zum Ausschank kam. Als Köhler sein Gewerbe aufgab, ließ sich der junge Bierbrauer Johann Theodor Claren dort nieder. Dieser war im Jahre 1852 bei einem bayerischen Braumeister in der Burgbrauerei Bornheim in die Lehre gegangen und hatte in größeren Brauereien in Köln und Dortmund seine Fachkenntnisse als Bierbrauer erweitert. Er setzte den veralteten Betrieb der Brauerei Köhler nicht fort, sondern errichtete und begründete eine vollends neue Bierbrauerei, in der nun nach neuem bayerischen, untergärigen Brauverfahren Herseler Bier hergestellt wurde. Man kann den 10. Oktober 1864, als Johann Theodor Claren mit Maria Magdalena Walburga Schüller, Tochter einer alteingesessenen angesehenen Herseler Bauernfamilie, den Lebensbund schloß, als den Gründungstag der späteren Herseler Germania-Brauerei ansehen. Um den jungen, wagemutigen Unternehmer wirtschaftlich zu unterstützen, lieferten in den ersten Jahren der Vater aus Bornheim und der wohlhabende Gutsbesitzer Gottfried Claren aus Brenig, die von ihnen selbst angebaute Braugerste. Rings um Hersel, in den benachbarten Dörfern am Rhein und im südlichen Vorgebirge, hatte sich bald das neuartige, bessere Herseler Bier durchgesetzt, so daß die kleinen bäuerlichen Hausbrauereien mit ihrem weniger haltbaren obergärigen Bier nicht mehr konkurrenzfähig waren und nach und nach die Bierherstellung ganz einstellten.
Aufstieg und Fortentwicklung der neuen Herseler Brauerei wurde indes 1875 jäh unterbrochen: Johann Theodor Claren, der Begründer des jungen Unternehmens, verunglückte tödlich am Abend des 23. März bei Arbeiten in seinem Betrieb. Nach seinem Tode wurde die Brauerei zunächst von seiner Witwe allein, später zusammen mit deren zweiten Mann Gerhard Schumacher aus Hersel (ab 1898: „Germaniabrauerei F.G. Schumacher“) und danach von den Söhnen aus erster Ehe Johaxin und Peter Josef Claren weitergeführt.
Dazu kam der Versand von Flaschenbier und innerbetriebliche technische Neuerungen wie Umstellung auf Dampfbetrieb, elektrisches Licht und Aufstellung einer Eismaschine. Aus einer Bilddokumentation mit knappen Erläuterungen etwa vom Jahre 1904 entnehmen wir, daß die zum Betrieb nötige Energie zur Kraft-, Licht- und Kälteerzeugung durch zwei Dampfmaschinen gewonnen wurde. Die ältere Dampfmaschine entwickelte 50 und die neue 120 Pferdestärken, wobei jede an eine eigene Eismaschine gekoppelt war. Dies alles zeugt von der fortschrittlichen Entwicklung und Bedeutung des Herseler Unternehmens um die Jahrhundertwende. 1899 wurde zur Kapitalbeschaffung aus dem privat geführten Unternehmen eine Aktiengesellschaft, der Namen wurde in „Germania Brauerei AG Hersel“ geändert.
Die Braustätte in Wissen
Im Winterhalbjahr 1874/75 legte der Brauer Jean Schäfer aus dem benachbarten Holschbach den Grundstein zur Wissener Brauerei, die im Jahre 1876 den Braubetrieb aufnahm.
Wenige Jahre später ging die „Brauerei Jean Schäfer“ in den Besitz der aus dem Siegerland stammenden Gebrüder Haas („Brauerei Ludwig Haas“) über. Mit der Brauerei verbanden die Gebrüder Haas einen Ausschank, dem die „Wissener Burschen“ ausgiebig zusprachen.
Das Jahr 1887 brachte für die Brauerei eine bedeutungsvolle Neuerung, die Umwandlung in eine G.m.b.H. und die Neufirmierung „Sieg-Rheinische Brauerei m.b.H.“ unter der Geschäftsführung von Emil Buchholz (er heiratete später die Tochter Lina des bekannten Gastwirtes Fuchs aus Wissen) und Eugen Pilz. Die Familie von Emil Buchholz war weit über 30 Jahre Besitzerin der Brauerei. Weitere Geschäftsführer waren die Herren Anton Michaelis, Kosky und Johann Claren.
Zusammenschluß der Brauereien in Hersel und Wissen im Jahr 1922
Im Jahre 1922 schlossen sich die „Germania Brauerei AG Hersel“ und die „Sieg-Rheinische Brauerei m.b.H. Wissen“ zusammen und firmierten neu unter „Sieg-Rheinische Germania Brauerei AG Hersel/Wissen“. In Wissen zeichnete Direktor Claren weiter als alleiniger Geschäftsführer. Diese Tätigkeit übte er bis zum 01. Oktober 1934 aus, als er wegen einer schweren Krankheit ausscheiden musste. Danach übernahm Herr E. Schneider die Direktion.
Kurze Zeit nach dem Zusammenschluß der Brauereien in Hersel und Wissen erfolgte die Übernahme der Brauerei „Jos. Breuer Söhne“ in Siegburg und der „Kronenbrauerei Fußhöller & Co.“ in Eitorf an der Sieg. Die Aktiengesellschaft verfügte somit über zwei Braustätten in Hersel und Wissen sowie über brauereieigene Niederlassungen in Siegburg und Eitorf. In Wissen wurde hauptsächlich das untergärige Germania-Pils gebraut, in Hersel Germania-Kölsch.
Allen Schwierigkeiten zum Trotz gelang es der Unternehmensleitung die Braustätten durch die Zeiten der beiden Weltkriege sowie die Nachkriegszeit zu führen. Wiederum wurden die technischen Einrichtungen der Braustätten der Neuzeit angepasst.
Anfang der 50er Jahre waren in beiden Braustätten neue Sudwerke und Flaschenkellereimaschinen modernster Art installiert worden. Die vollautomatische Flaschenreinigungs-, Füll- und Etikettieranlage brachte es damals auf eine Leistung von 3000 Flaschen stündlich. Auch verfügten beide Braustätten über eine Eiserzeugungsanlage. Hergestellt wurden die Qualitätsbiere Germania-Pils, Germania-Märzen, Germania-Kraftmalzbier und Germania-Doppelbock. Das Vertriebsgebiet für das Bier der Sieg-Rheinischen Germania-Brauerei AG erstreckte sich Rhein aufwärts bis Honnef, Rhein abwärts bis Köln und Düsseldorf, am Vorgebirge, im ganzen Siegkreis und im Bergischen Land bis hinauf in die Westerwaldgegend.
Um der seit damals steigenden Nachfrage nachzukommen, wurden 1983 neue Investitionen erforderlich. Die alten Lagertanks des Herseler Unternehmens wurden durch Gär- und Lagertanks ersetzt, die mit einer Kapazität von 700.000 Litern den beachtlichen Stand der Germania-Brauerei verdeutlichen. Zu jenem Zeitpunkt hatte die Brauerei weit mehr als 100 Arbeitsplätze im Einzugsgebiet Hersel.
Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass im Jahre 1984, als die Sieg-Rheinische Germania-Brauerei AG auf stolze 120 Jahre zurückblicken konnte, diese sozusagen Geburtshilfe geleistet hat für eine Bierattraktion der Stadt Bonn: Mit der „Germania-Bönnsch-Brauerei“ (Heute „Brauhaus Bönnsch“), einer Hausbrauerei im Zentrum der Stadt. In dieser wurde vor den Augen der Gäste ein frisches, naturtrübes Spezialbier hergestellt. Mit dieser Attraktion hat sie sich gewissermaßen ein Denkmal besonderer Art geschaffen.
Am 01. Oktober 1990 wurde der Betrieb von der Brau & Brunnen AG in Dortmund übernommen und Ende des gleichen Jahres die Tore geschlossen.
Seitdem haben sich wenig Menschen für das Schicksal der Brauerei interessiert. Aus der Chronik der BBS Wissen geht hervor, dass sich die Schüler des Ausbildungsgangs zu Bankkaufleuten im Rahmen eines Projektes mit der ehemaligen Brauerei beschäftigt haben: "Streitfall: Abreißen – Aufbauen – Erhalten?" lautete einer der Themenkomplexe beim Schülerwettbewerb zur politischen Bildung 1995. Einen solchen Streitfall, so meinten die Schülerinnen und Schüler, gibt es auch vor Ort, und zwar die ehemalige Germania Brauerei Wissen. Ihre Dokumentation wurde unter 3415 eingereichten Arbeiten, an denen über 87000 Jugendliche beteiligt waren, mit einer Geldprämie ausgezeichnet. Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von der Professionalität der Darstellung. So skizzierten die Teilnehmer die Entwicklung der Brauerei. Außerdem führten sie eine Umfrage durch, was mit dem erst 1992 unter Denkmalschutz stehenden Sudhaus geschehen solle. Die Klasse setzt sich uneingeschränkt für die Erhaltung des Gebäudes ein und unterstützt den Vorschlag des Wissener Arztes Dr. Brendebach, auf dem Gelände ein sozio-kulturelles Zentrum zu errichten.
Neben der Freude über die Auszeichnung – die Klasse spendete den Geldbetrag zugunsten krebskranker Kinder einem Kinderkrankenhaus – empfanden die Schülerinnen und Schüler allerdings Bedauern darüber, dass sich bei der Diskussion um die Zukunft der Wissener Brauerei kein Fortschritt zeigte. Die Resonanz auf die Dokumentation fiel gering aus, und auch von politischer Seite war das Echo schwach. Der Rhein-Zeitung war sie jedoch eine Sonderseite wert.
Ihr könnt mir auch mal ein e-mail schicken, falls Ihr Ergänzungsvorschläge oder ähnliches habt.
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